ADHS-Gruppentherapie

Viele Erwachsene mit ADHS haben jahrelang das Gefühl, sich mehr anstrengen zu müssen als andere – und trotzdem hinter ihren eigenen Möglichkeiten zurückzubleiben. In meiner verhaltenstherapeutischen ADHS-Gruppe erarbeiten wir gemeinsam konkrete Strategien für die Herausforderungen des Alltags: Struktur und Planung, Impulskontrolle, Prokrastination und Emotionsregulation.

Was ist ADHS im Erwachsenenalter?

ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) ist keine Kinderkrankheit. Bei vielen Menschen bleibt sie bis ins Erwachsenenalter bestehen – oft verändert sie sich aber im Erscheinungsbild. Statt ausgeprägter motorischer Unruhe stehen bei Erwachsenen häufig andere Schwierigkeiten im Vordergrund:

  • Aufmerksamkeit und Konzentration: Ablenkbarkeit, Schwierigkeiten beim Durchhalten von Aufgaben, aber auch hyperfokussiertes Aufgehen in interessanten Tätigkeiten.
  • Organisation und Planung: Zeitgefühl, Priorisieren, Aufgaben zu Ende bringen – all das fällt vielen Betroffenen erheblich schwerer als anderen.
  • Impulskontrolle: Spontane Entscheidungen, Schwierigkeiten mit Warten oder mit dem Unterdrücken von Impulsen.
  • Emotionsregulation: Schnelle emotionale Reaktionen, intensive Frustration bei kleinen Hindernissen und eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Kritik.
  • Prokrastination: Das Aufschieben von Aufgaben – besonders solchen ohne sofortige Belohnung – ist ein häufiges und belastendes Symptom.

Eine Diagnose ADHS – ob bereits vorhanden oder gerade neu gestellt – ist Voraussetzung für die Teilnahme. Das Gruppenangebot ersetzt keine medikamentöse Behandlung, kann diese aber sinnvoll ergänzen.

Worum geht es in der Gruppe?

Die Gruppe arbeitet verhaltenstherapeutisch. Im Mittelpunkt stehen keine Erklärungen dafür, wie die ADHS entstanden ist – sondern praktisch erprobbare Strategien für den Alltag. Die Themen rotieren im Verlauf der Gruppe, sodass neue Teilnehmende jederzeit einsteigen können.

Typische Themenbereiche:

Psychoedukation: Ein gemeinsames Verständnis davon, wie ADHS das Erleben und Handeln beeinflusst – und welche Mechanismen dahinterstecken. Wissen schafft Entlastung und ist die Grundlage für jede Veränderung.

Selbstmanagement und Struktur: Wie lässt sich der Alltag so gestalten, dass er weniger Reibung erzeugt? Wir erarbeiten individuelle Routinen, Planungshilfen und Umgebungsstrategien – praxisnah und umsetzbar.

Impulskontrolle und Entscheidungen: Techniken, um impulsive Reaktionen zu erkennen und einen kleinen Moment der Reflexion einzubauen – ohne dauerhaft auf Spontaneität verzichten zu müssen.

Emotionsregulation: Viele Menschen mit ADHS kennen intensive emotionale Reaktionen gut. Wir üben Strategien aus der Verhaltenstherapie, um Emotionen früher wahrzunehmen und gezielter damit umzugehen.

Prokrastination: Was hinter dem Aufschieben steckt und welche konkreten Schritte helfen, auch ungeliebte Aufgaben anzugehen – ohne sich selbst dafür zu verurteilen.

Achtsamkeit als Anker: Achtsamkeitsübungen helfen dabei, die Aufmerksamkeit bewusster zu lenken und impulsive Reaktionen zu unterbrechen. Wir integrieren kurze, alltagstaugliche Übungen in jede Sitzung.

Wie arbeiten wir in der Gruppe?

Die ADHS-Gruppe ist eine offene, fortlaufende Gruppe – es gibt keinen festen Start- und Endtermin und keine vorgeschriebene Sitzungszahl. Neue Teilnehmende können jederzeit einsteigen, wenn ein Platz frei wird. Die Themen rotieren so, dass jede Sitzung in sich verständlich und nutzbar ist, unabhängig davon, wie lange jemand bereits dabei ist.

Die Gruppe trifft sich wöchentlich zur gleichen Zeit. Die wiederkehrende Struktur ist dabei bewusst gewählt – Verlässlichkeit und Rhythmus sind für viele Menschen mit ADHS selbst schon therapeutisch wirksam.

Jede Sitzung verbindet einen kurzen inhaltlichen Input zu einem Thema, praktische Übungen, den Austausch über Erfahrungen aus dem Alltag und eine kurze Achtsamkeitseinheit. Zwischen den Sitzungen gibt es kleine Übungsaufgaben, die auf dem Besprochenen aufbauen.

Für wen ist das Angebot geeignet?

Das Gruppenangebot richtet sich an Erwachsene, bei denen eine ADHS-Diagnose vorliegt und die ihre Alltagskompetenzen gezielt stärken möchten. Besonders geeignet ist es für Menschen, die:

  • trotz vorhandener Fähigkeiten regelmäßig an Struktur, Planung oder Impulskontrolle scheitern,
  • unter Prokrastination oder emotionaler Überreaktivität leiden,
  • ihre Strategien im Austausch mit anderen Betroffenen erproben und weiterentwickeln möchten.

Da die Gruppe offen und fortlaufend ist, können Sie jederzeit einsteigen – ohne auf einen festen Gruppenstart warten zu müssen.

Kostenübernahme

Die ADHS-Gruppentherapie ist Gruppenpsychotherapie im Sinne der Psychotherapie-Richtlinie und wird in der Regel von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen. Den genauen Ablauf der Antragstellung kläre ich gerne im persönlichen Gespräch mit Ihnen.

Anmeldung

Wenn Sie Interesse an einer Teilnahme haben, melden Sie sich gerne per E-Mail (info@beisenherz-praxis.de), zu den Telefonsprechzeiten in der Praxis oder über das Online-Anmeldeformular. Ich bitte darum, das Anmeldeformular vor dem Erstgespräch vollständig auszufüllen – das hilft mir, mich gut auf unser Gespräch vorzubereiten und rasch einschätzen zu können, ob die Gruppe für Sie geeignet ist. Im Vorgespräch klären wir gemeinsam, ob die ADHS-Gruppentherapie zu Ihrem Anliegen passt und wann der nächste Platz frei wird.

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